Der fliegende Wechsel...

Immer wieder bekomme ich Pferde zur Ausbildung, die den fliegenden Wechsel falsch gelernt haben. Deshalb möchte ich nachfolgend einige Tipps über diese Hürde der Ausbildung schreiben:

 

Aber erst mal von vorne. Ein Reiter kauft ein junges Pferd. Im Grunde hat er zunächst fast jeden Tag ein Erfolgserlebnis. Die Parade zum Halten klappt, das erste Schulterherein oder sogar der erste Außengalopp z.B. Aber frage ich den Reiter ob er wirklich Kontrolle hat speziell im Galopp bekomme ich oft zur Antwort "weiss ich nicht". Denn nur weil er Außengalopp reiten kann heißt das noch lange nicht, dass er wirklich seinen! Galopp reitet oder ob es nur der Galopp ist den das Pferd ihm anbietet. Auf Lehrgängen oder im täglichen Training lasse ich den Reiter Tempounterschiede reiten. Hier kommt dann die Wahrheit ans Licht. Ausfallen, keine Lastaufnahme, kein punktgenauer Übergang oder herausheben sind meistens das Ergebnis. Spätestens hier sollte dem Reiter ein großes Licht aufgehen. Ungeachtet der mangelnden Kontrolle versucht der Reiter trotzdem mal den fliegenden Wechsel. Und – oh Wunder – wechselt das Pferd den Galopp. „Das ist ja einfach“ denkt er. Und genau jetzt beginnt das Desaster. Das Pferd springt mal nach, mal vor, reagiert gar nicht etc. Aber er wird es ja schon noch lernen – irgendwann. Welch ein elemetarer Denkfehler. Der unwissende Reiter konzentriert sich nur auf den fliegenden Wechsel, aber überprüft nicht vorher ob es überhaupt geht.

 

Meiner Erfahrung nach ist der Wechsel an sich nicht wichtig, sondern der Weg dorthin. Ich finde, dass die Lektion fliegender Wechsel die einzige Lektion ist in der ich rückwärts denken muss. Man reitet einen Wechsel und muss danach reflektieren warum der Wechsel geklappt hat oder eben nicht. Das können die wenigsten. Weil sie sich nicht auf die Vorbereitung konzentrieren. Dann kommt noch erschwerend dazu, dass die Reiter meistens die Wechsel alleine üben oder jemand zuschaut der es auch nicht genau sieht ob der Wechsel gut, nach- oder vorgesprungen war. Vorallem einen vorgesprungen Wechsel zu erkennen erfordert viel Erfahrung. Und! Viele Reiter sind sich gegenüber auch nicht ehrlich. Sie überprüfen sich selbst viel zu wenig. Mal ehrlich woher soll es auch kommen? Es bedarf sehr viel Können und Technik einen fliegenden Wechsel dem Pferd beizubringen. Und dies kann ein, meist junger Reiter, nicht haben.

 

Nun möchte ich einige Tipps geben, wie das reiten des fliegenden Wechsels einfacher wird: Über die Hilfengebung brauche ich nichts zuschreiben, da dies bereits sehr häufig geschrieben wird. Und ich setze voraus, dass sie der Reiter kennt.

 

Zunächst gilt es den Galopp zu arbeiten. Elementar wichtig ist zu überprüfen ob der Galopp den das Pferd anbietet auch wirklich der Galopp ist, den man braucht für den Wechsel. Tempounterschiede, schnelle einfache Wechsel müssen reibungslos klappen. Vorallem das vor und zurück! Gelingt dies wirklich gut und der Reiter hat echte Kontrolle über den Galopp kann man sich an den Wechsel trauen. Nehmen wir z.B. eine Diagonale. Wendet der Reiter auf diese Linie ab muss er sicherstellen, dass das Pferd in sich gerade ist und komplett an den neuen äusseren Zügel herantritt. Die neue innere Seite muss „offen“ sein. Das Pferd muss den neuen inneren Schenkel akzeptieren. Dazu hilft es wenn man z.B. im Linksgalopp ist und Schulter vor nach rechts reitet. So öffnet das Pferd leichter die neue innere Seite. Versucht doch mal ein Pferd aus dem Schritt anzugaloppieren, wenn es gegen den inneren Schenkel drückt. Geht meist schief. Genauso ist es auch bei der Vorbereitung zum Wechsel. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist, dass das Pferd wartet. Es muss sich in Ruhe vorbereiten lassen und nicht, wie so oft, den Wechsel selber machen. Ebenso muss das Pferd locker bleiben und mit fallen gelassenem Hals galoppieren.

 

So – der fliegende Wechsel ist geritten. Jetzt sollte der Reiter Schritt reiten und rückwärts denken. Wie war die Vorbereitung, die Durchlässigkeit und Kontrolle? Und keine Wechsel üben, wenn nicht jemand zuschaut, der es wirklich sieht. Ganz wichtig ist bei dieser Lektion die Ruhe zu bewahren und das Pferd bloß nicht strafen wenn der Wechsel mal nicht klappt. Ein weiterer Punkt ist, dass der Reiter kreativ ist. Sollte das Pferd auf den Wechsel lauern muß er schnell umdenken können und eventuell eine andere Linie reiten. Es gibt kein Patentrezept über die beste Linie. Aber bei immer neuen Linien kann man das Pferd zum Warten erziehen. Meiner Erfahrung nach ist es auch von Vorteil wenn man Wechsel üben will dies in der Trainingseinheit nach vorne zu ziehen. Will sagen es macht wenig Sinn zunächst alles andere zu üben und erst am Schluss damit anzufangen Wechsel zu üben. Die Pferde brauchen Kraft und Konzentration dazu. Sollte ein Pferd grössere Probleme mit dem Wechsel haben zahlt es sich aus nur dies zu üben. Nach der Lösungsphase und dem Aufbau der Kontrolle sollte man direkt mit dem Wechsel üben anfangen. Sind dem Reiter einige gute Wechsel gelungen, dann am besten das Pferd belohnen mit dem was ihm am meisten Spaß macht, oder direkt aufhören. So kommt das Pferd mit einem guten Gefühl in seine Box.

 

Zusammenfassend noch eine „Checkliste“, die der Reiter vor dem reiten des fliegenden Wechsels überprüfen muss:

  • Habe ich den richtigen Galopp?
  • Ist mein Pferd unter Kontrolle?
  • Ist das Pferd wirklich in sich gerade und tritt an den neuen äusseren Zügel heran?
  • Und sitze ich auch richtig?
  • Ist die Wade ruhig am Pferd?
  • Akzeptiert das Pferd den neuen inneren Schenkel

 

Wenn ich dies alles mit ja beantworten kann, dann auf die Wechsel fertig los! Ich hoffe so nun ein bisschen Licht ins Dunkel der Wechselreiterei gebracht zu haben. Viel Spaß beim Üben.

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